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Was so alles auftaucht ...

wenn Schulsachen geordnet werden.

Eine "kreatives Schreiben"-Aufgabe aus der 6. Klasse. Angabe - Kafka (Auf der Galerie):
"Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosenChef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf einem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiedend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind - vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, rief das - Halt! durch die Fanfaren des immer sich anpassenden Orchesters."
Mein Text, von dem ich, wäre er nicht in meiner Schrift geschrieben, behaupten würde, dass er nicht von mir stammen kann:
"Vielleicht stürzte dann mit ihm das Orchester, hörte auf, sich in Klang und atemberaubender Geschwindigkeit der Manege anzupassen, spielte nicht mehr die ewigen Paukenschläge und Trompetenstöße zum Getummel i der Manege, spielte eine eigene Melodie - spielte SEINE eigene Melodie, ließe die wallenden Trommelwirbel und Fanfaren fallen, der, vielleicht lieblich die äußere Winterwelt umspielenden, vielleicht harsch das Unrecht der Menschheit rügenden, der langsamen oder schnellen, der lauten oder leiden, der großen oder kleinen, der süßen oder bitteren, eigenen Musik zugunsten.
Vielleicht wäre dieses - Halt! das unerwartete, Frischluft einsaugende Einatmen, der lange ersehnte Absprung in den freien Fall, in die Freiheit. Was dann? Käme nach dem Fall der Aufprall? Der widerhallende Knall, der Rückschlag in das alte Muster der Begleitung. Vielleicht wäre die Befreiung aber auch nur ein wiederkehren der letzten Phase, der ewigen musikalischen Untermalung der Umstände, nur dass diesmal die Töne selbsgewählt wären, nicht das Produkt der wankenden Vorstellung sondern ihr Kommentar, nicht ihr Knecht sondern ihr Kritiker.
Vielleicht wäre das - Halt! ein unmöglich gewähnter Befreiungsstoß auch für das Pferd - aus der Leitung der kranken, gezwungenen Reiterin, die sich auch endlich aus ihrer theaterspielenden Rolle auf dem Rücken des Pferdes winden könnte, in die sie immer und immer wieder durch die Dampfhämmer der Applauses gezwungen wird, vielleicht wäre es sogar eine Feier für die dumpfen Sinne des Publikums, entlassen zu sein aus seinen hämmernden, immerwährenden Handschlägen, die, mit den Trommelschlägen des Orchesters vereint, die wahnsinnige Untermalung des Spektakels erst vervollständigen.
Vielleicht würde der junge Galeriebesucher aber auch nicht in die Manege stürzen, das rettende - Halt! in seinen Gedanken behalten, die wankende Vorstellung weitergehen lasseund dem Orchester in der ewigen Begleitung lauschen."

Über die Güte lässt sich streiten, ich bin aber jedenfalls fasziniert, dass ich sowas mal von mir gegeben habe.

Sonst gibt's nicht viel zu sagen. 

Morgen gehn wir nochmal in die Wohnung.

22.4.09 20:45
 


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